Essay: Arbeitsthesen

Beitrag zum Katalog „mehrschichtig“, 1992

Acrylglasobjekt_zeigt_normierte_Silhouette_von_Menschen_mit_überlagerten_Zahlenfolgen Nicht-Begriffliches Modell Zeichensystem Zeichenrepertoire Transparenz Lichtspiel Komplexität Illusion Standardisierung Modifikation Typisierung Variabilität Transkription Imagination Abstraktionsgrad Struktur Inspiration Strukturalisierung Massengesellschaft Informationsgesellschaft
 2016_objekt_02; Vektorgrafik mit Plotter auf Folie vor Acrylglas, Schatten; var. x var. x var. cm

Es ist für mich das wichtigste – und das einzige im wesentlichen logisch nachvollziehbare – Merkmal der Malerei, dass der Mensch in ihr und durch sie in der Lage ist, sich nicht begrifflich und Nicht-Begriffliches auszudrücken.

Handzeichnung_zeigt_abgelegte_Menschen Nicht-Begriffliches Modell Zeichensystem Zeichenrepertoire standardisiert transzendiert Emotion Psyche Zeichen Metapher Symbol Metamorphose unkonventionell Reihung Relation Gestalt uniform Wandlung Variation Variabilität Erfahrung Fiktion Kombinatorik Reflexion Gesellschaftskritik Zeitkritik Realität Realismus
 1977_abgelegt_1; Graphit auf Papier; 61 x 43 cm

Erst durch sie kann er Voraussetzungen schaffen für ein Begreifen nicht-begrifflicher Inhalte seiner Zeit, indem er seine Zeit umgedeutet darstellt, damit Welt schafft und Fragen aufwirft. Dabei sehe ich mich nicht isoliert, quasi atomisiert und selbstgenügsam, sondern eingebunden in die Geschichte, ihre Traditionen, ihr Zeichenrepertoire mit allen seinen Bedeutungsschichten, die mir erst meine Bedeutung geben. Als Maler sehe ich mich aufgerufen, aktuelle Fragen weiter zu denken, die existentiell Menschsein betreffen.

Deshalb ist die Form für mich nicht künstlerisch „befreiter“ Selbstzweck, sondern sie tritt in Beziehung zu Inhalten, als deren Träger sie letztlich für den Betrachter wieder existentiell bedeutsam werden kann. Künstlerische Auseinandersetzung ist demnach bereits im Werden Auseinandersetzung mit außerkünstlerischen Inhalten, für mich mit Inhalten, die nicht ursprünglich Form sind, die jedoch als Frage in der Zeit angelegt sind.

Handzeichnung_mit_Schaltplatine Nicht-Begriffliches Modell Zeichensystem Zeichenrepertoireauswechselbar anonym Assoziation Bedeutung Beziehung digital Element Erscheinungsbild Generalisierung Imagination Information Komplexität Komponente Modifikation Modul Raster Realität Struktur Technik Transformation Umdeutung Normierung Technik Variation auswechselbar anonym Assoziation auswechselbar Bedeutung Beziehung Bildgleichnis digital Element Erscheinungsbild formal Generalisierung Illusion Imagination Information Komplexität Komponente Modifikation Modul Ordnung organisiert Partikel Raster Realität Struktur Technik Transformation Umdeutung Normierung Technik Variation
1978_kontakte_1; Handzeichnung auf Papier; 93 x 99 cm
Tableau_zeigt_eingefräste_Zeichen_auf_Stahlplatte Nicht-Begriffliches Zeichensystem Zeichenrepertoire Abstraktionsgrad Code Segmentierung Technik Normierung Modifikation Variabilität Wandelbarkeit Generalisierung Modul Reihung Raster Standardisierung Komplexität Struktur Assoziation Information Erscheinungsbild Denkmodell Denkmuster Konzeptkunst
2000_tableau_002; Farbe auf Stahl und Holz, Schatten
Temperamalerei_zerfleddertem_Barcode_mit_Blutstropfen Nicht-Begriffliches Modell Zeichensystem Zeichenrepertoire Maschinenschrift Kryptografie Abstraktion Abstraktionsgrad Variation Bildzeichen Abstraktionsgrad Umformung Transkription Transformation Metamorphose Informationsgesellschaft Botschaft Realitätscharakter Realität Konzeptkunst
1993_papier_063; Farbe auf Papier; 103 x 47 cm

Als ein wichtiges Merkmal heutiger Auseinandersetzung mit Wirklichkeit sehe ich die Strukturierung und Segmentierung menschlichen Erkennens und damit Denkens an. Dieses deutete sich bereits früh in der Spezialisierung der Fachwissenschaften an, die zunehmend ihren Gegenstand in jeweils eigener Sprache und in eigenen Modellen zu beschreiben versuchten. Das Objekt löste sich immer stärker, je nach der betrachtenden Disziplin, in unterschiedliche abstrakte Zeichen auf, die letztlich das Objekt vertreten, an seine Stelle treten. Diese werden wiederum in strukturierten Zusammenhängen gespeichert.

Handzeichnung_zeigt_Zeichen_unendlich_und_8 Nicht-Begriffliches Modell Zeichensystem Zeichenrepertoire abstrakt Zahl Symbol Zeichen Code Transkript Transformation Umformung Wandelbarkeit Umdeutung Konnotation Intuition Imagination Inspiration Interpretation Zuordnung Struktur Information Realitätcharakter Manipulation Konzeptkunst
2001_papier_164; Tempera, Kohle, Graphit und Farbstift auf Papier; 100 x 70 cm

Es ergeben sich Denkmodelle von Wirklichkeit, die sich – aufgrund ihres Abstraktionsgrades – in wechselseitigen Bezügen und verändernden Kontexten umkodieren lassen. Das Ding verbirgt sich nicht nur hinter seinen Abstraktionen, es wird oft erst in dieser Fiktion virulent – man erinnere sich an die notwendigen und gebräuchlichen Zeichensysteme.

Tableau_zeigt_Zahlpartikel_mit_Modulen_auf_Acrylglas_dahinter_Ebene_mit_Raster Nicht-Begriffliches Zeichensystem Lichtspiel Segmentierung Normierung Standardisierung Typisierung Variabilität Chiffre Imagination Modifikation Kombinatorik komplex Relation Multilayer Struktur Ordnungsprinzip Systematik Erscheinungsbild Realität Realitätscharakter
2006_tableau_007; Papier und Farbe auf Acrylglas und Holz, Baustahl, Schatten; 170 x 102 cm

Der Gegenstand als unverwechselbare, unauflösliche Einheit ist verschwunden, bestenfalls lebt er noch in den Nischen verschiedener Theoreme, und natürlich – er lebt, existent neben und vor der ihn repräsentierenden Funktion. Der Gegenstand wird von mir also nicht mehr, unabhängig von seiner Existenz in der Realität, gedacht als geschlossene Einheit mit nur für ihn typischen Zügen, sondern ich sehe ihn, repräsentiert durch die Denkmodelle, im Schnittpunkt verschiedener Theoreme.

Da diese sich wiederum als Struktur darstellen, als Einzelelemente in systematischer Zuordnung, bekommt das Einzelne nach meiner Auffassung seine Unverwechselbarkeit nicht aufgrund spezifischer, nur für ihn gültiger Merkmale, sondern durch eine besondere – innerhalb des Ablaufs von Raum und Zeit allerdings einmalige – Überlagerung allgemeiner Merkmale, die als Teile größerer, allgemein gültiger Zusammenhänge gedacht werden. Immerhin ist der einzelne Gegenstand auch im Modell nicht als einzelnes gedacht, sondern es wird versucht, einzelne Aspekte der Gesamtheit in ihrer Allgemeingültigkeit zu erfassen und diese darzustellen.

normierte_Module_auf_4_Acrylglasplatten_mit_proportional_skalierten_Kreissegmenten_und_durchscheinendem_Viereck Nicht-Begriffliches Modell Zeichensystem Zeichenrepertoire Zeichen Chiffre Transparenz Element Komponente Einfachheit mehrschichtig Variabilität Umformung Version Zuordnung ganzheitlich Minimalismus Raum Raumprinzip Konzeptkunst
Alle normierten Module
gleiche_Platten_mit_anderer_Raumfolge Nicht-Begriffliches Modell Zeichensystem Zeichenrepertoire mehrschichtig Plexiglas Normierung Modul Variation Raumprinzip Kombinatorik Komplexität Modifikation Standardisierung Ordnung Raumprinzip Objektkopplung Relation Variabilität Version Erscheinungsbild Konzeptkunst
des Acrylglasobjektes sind
gleiche_Platten_mit_anderer_Raumfolge_und_Drehung Nicht-Begriffliches Modell Zeichensystem Zeichenrepertoire Durchsichtigkeit Acrylglas vielschichtig Typisierung Element Komponente Standardisierung Überschneidung Kombinatorik Umformung Variationsreichtum Verwandlungsfähigkeit Tiefenraum Transformation System Ordnung Konzeptkunst
in Licht und Zuordnung
gleiche_Platten_mit_anderer_Raumfolge,_Drehung_und_Lichtverhältnis Nicht-Begriffliches Modell Zeichensystem Zeichenrepertoire Transparenz Polymer Technik Ebene Multilayer Modul Wechselwirkung Kombinatorik Variation Derivat Version Schnittmenge
variabel
Handzeichnung_zeigt_Zahlenfolge_zum_übermaltem_Kreuz_verwandelt Nicht-Begriffliches Zeichenrepertoire Abstraktion Transzendenz Umdeutung Umformung Phantasie Normierung Standardisierung Symbol Code Imagination Transformation Modifikation Kombinatorik Assoziationsfeld Semantik Inspiration Konvention Kombinatorik Realitätscharakter Konzeptkunst Nicht-Begriffliches Zeichenrepertoire Abstraktion Transzendenz Umdeutung Umformung Phantasie Normierung Standardisierung Symbol Code Imagination Transformation Modifikation Kombinatorik Assoziationsfeld Semantik Inspiration Konvention Kombinatorik Realitätscharakter KonzeptkunstHandzeichnung_zeigt_Zahlenfolge_zum_übermaltem_Kreuz_verwandelt Nicht-Begriffliches Zeichenrepertoire Abstraktion Transzendenz Umdeutung Umformung Phantasie Normierung Standardisierung Symbol Code Imagination Transformation Modifikation Kombinatorik Assoziationsfeld Semantik Inspiration Konvention Kombinatorik Realitätscharakter Konzeptkunst Kreuzesweg mehrdeutig Abstraktion Transzendenz Umdeutung Umformung Phantasie Normierung Standardisierung Symbol Code Phantasie Imagination Transformation Modifikation Kombinatorik Assoziationsfeld Semantik Inspiration Konvention Zeichenrepertoire Kombinatorik Wirklichkeit Realitätscharakter Information Konzeptkunst
 2003_papier_020; Farbe auf Laserprint auf Papier und Karton; 100 x 70 cm

Die einzelnen Modelle und in ihrer Folge auch die enthaltenen Zeichen sind zwar auf Wahr-Nehmung hin angelegt, jedoch auf eine, die sich selbst genügt und die Dingwelt, auf die sie verweist, den Sinnen zu entziehen versucht. In den Hintergrund tritt dabei allerdings oft, dass nicht nur mit einer Übersetzung in Zeichen entscheidende Aspekte der Wirklichkeit ausgeklammert werden, sondern dass die Zeichen selbst und mit ihnen die auf sie verweisenden Bedeutungen geschichtlichen Wahrnehmungs- und Wandlungsprozessen unterworfen sind. Somit ist die Wirklichkeit, wie sie uns in den Zeichen entgegen tritt, zwar eine mehrfach gebrochene, allerdings gleichzeitig die einzig relevante. Das Denken in abstrakten Zeichen scheint mir somit – auch in der Kunst – das eigentlich Realistische zu sein, denn es allein vermag jetzt noch die Wirklichkeit beizukommen, da es sie sowohl repräsentiert als auch sie zu beherrschen in der Lage ist.

Pastellzeichnung_zeigt_Rastersystem_aus_Kreisen_erinnert_chemisches_Modell Nicht-Begriffliches Zeichensystem Zeichenrepertoire umdeuten Abstraktionsgrad Normierung Variabilität Zeichen Code Komplexität Denkmodell Kombinatorik Relation Imagination Assoziationsfeld Semantik System Strukturalisierung Realititätsebene Stereotyp Denkmuster System
 1994_papier_003; Kreide und Farbe auf Papier; 86 x 58 cm

Allerdings gebiert die Flut der Zeichen keineswegs einen höheren Grad an Information über die Dingwelt. Indem diese weitgehend präformiert und standardisiert sind, repetieren sie lediglich bereits Ent-Sinn-lichtes insofern, als dass das unmittelbar die intendierte Aussage Transzendierende, das in-sich-selbst nicht Fassbare des Zeichens, sein – möglicherweise symbolischer – Wert in Anbetracht des Strebens nach Objektivität der Wahrnehmung nach Möglichkeit bereits entzogen wird. Allerdings könnte es in seiner Fähigkeit, aus sich die Seinssphäre zu transzendieren, sein, daß es wieder auf menschliche Grundbefindlichkeiten zurückverweist, Macht verdeutlicht und somit Sinn-stiftend wirkt. Entsprechend versuche ich in meiner Arbeit, Verknüfungssysteme zu erarbeiten, in denen die verschiedenen Zeichensysteme in ihren Differenten nicht kollidieren, sondern sich ergänzen zu Welt-Bildern, in deren Ausformung der Bezüglichkeit der Seinsebenen ich in der Lage bin, nach Nicht-wahr-Genommenem zu suchen und in der Komplexität der reduzierten Konstituenten wieder Welt-Bezug sinn-lich zu machen.

Tableau_zeigt_überlagerten_Zahlenfolgen Nicht-Begriffliches Modell Zeichensystem Zeichenrepertoire Transparenz Lichtspiel komplex mehrschichtig Kombinatorik Segmentierung Normierung Standardisierung Modul Variabilität Chiffre Imagination Modifikation Assoziationsfeld Inspiration Relation Raum System Struktur Realitätscharakter Informationsgesellschaft
 2006_tableau_010; Laserprint auf Acrylglas und Folie, Platte, Schatten; 143 x 143 cm

Auch wenn der Gegenstand nicht mehr als isolierbares und fest umrissenes Einzelnes erscheint, sondern in der Mehrschichtigkeit der Überlagerung unterschiedlicher Strukturen neu zu deuten ist, geht es nicht um eine Auflösung, Beliebigkeit von Bildordnungen – das entspräche nicht den Grundzügen menschlichen Denkens und Erkennens. Wenn schon das Naturobjekt gedeutet und in seinem Wert eingeschätzt wird, ist es für mich zwingend, dass das Bild als bereits vom Menschen Vorgegebenes diesem Bedürfnis entgegenkommt. Bereits das Einzelzeichen ist bedeutungshaft aufgeladen, sei es aus persönlicher Erfahrung oder tradierter Symbolik, kann demnach als Wahrnehmungs- u./o. Abbildungsmöglichkeit von Aussagefacetten eines Gegenstandes Gedacht und damit in ihrem Ausdruckswert verdichtet werden. Die Simultaneität der verschiedenen Zeichen zielt entsprechend auf eine umfassendere Zuordnung von zuvor Disparatem oder gar Heterogenem zu einem neuen Denkbaren. Es zielt damit auf Neu-Deutung von Bekanntem, ist also gedacht als Hilfestellung zur Welt-Sicht.

r. hanke