Essay: Zahlen und Räume

Einführung in den Katalog „zeichen-HAFT“, 2004

Reinhard Hanke, der 1951 in Bad Oeynhausen geboren wurde, studierte Malerei und Zeichnung an der Kunsthochschule Braunschweig sowie Psychologie und Philosophie an der dortigen Technischen Universität. Er ist ein Künstler, der in seinen Bildern bewusst philosophische, naturwissenschaftliche und ästhetische Verbindungen sucht und diese auch findet. Ursprünglich zeichnete er in den 70er und 80er Jahren surreal anmutende Szenen, oft in seriellen Reihungen. Dunkel gehaltene, häufig figurative Motive voll emotionaler Ausdrucksstärke stehen neben technoiden Objektwiedergaben. Bereits damals kam es Reinhard Hanke darauf an, hinter die Oberfläche seiner Motive sehen zu wollen.

Handzeichung_zeigt_verschnürtes_Stapel_Karten_mit_Gesicht_vor_Maske Triptychon karikativ figurativ expressiv emotional auswechselbar Täuschung Metapher Imagination doppelbödig Assoziation Erscheinungsbild Transformation Denkmuster Individualität Umformung Interpretation Gesellschaftskritik Realismus
1979_Bitte!_1; Stift auf Papier; 70 x 50 cm
Handzeichung_zeigt_Antlitz_mit_Maske_als_deckungsgleicher_Vorlage_als_Satz_Karten Triptychon karikativ Abstraktion Täuschung Metapher Imagination Bildgleichnis Bildsprache doppelbödig Assoziation Erscheinungsbild Reduktion Kombinatorik Transformation Umformung Interpretation Sinnbild Massengesellschaft Realismus
1979_Bitte!_2; Stift auf Papier; 70 x 50 cm
Handzeichung_zeigt_mehrfach_Antlitz_davor_gleiche_Maske Triptychon karikativ Norm Stereotyp Standardisierung Variation auswechselbar Abstraktion Metamorphose Modifikation Imagination Bildsprache doppelbödig Assoziation Kombinatorik Denkmuster Reihung Ordnung Raumbildung Raster Modell Massengesellschaft Realismus
1979_Bitte!_3; Stift auf Papier; 100 x 70 cm
Handzeichung_zeigt_Zahlenfolgen_als_zerrissenes_Wolkengebilde Zahl Raster mehrdeutig digital Umdeutung Umformung Imagination Abstraktionsgrad Vektorgrafik Version Variation Transformation Modifikation Bildgleichnis Assoziation Inspiration Zeichenrepertoire Realität Wirklichkeit Massengesellschaft Informationsgesellschaft Konzeptkunst mehrdeutig digital Umdeutung Umformung Imagination Abstraktionsgrad Vektorgrafik Version Variation Transformation Modifikation Bildgleichnis Assoziation Inspiration Zeichenrepertoire Realität Wirklichkeit Massengesellschaft Informationsgesellschaft Konzeptkunst
2002_papier_066; Farbe und Graphit über Laserprint auf Papier und Karton; 100 x 70 cm

Seine neueren ausgestellten Arbeiten stammen aus dem Zeitraum von 1999 bis 2004. Diese meist hellen Papierarbeiten haben überwiegend die Maße von 50 ≈ 70 cm und 70 ≈ 100 cm. Hanke setzt in den letzten zwei Jahren bei der Realisierung seiner Werke verstärkt den Computerdruck ein. Danach werden die Drucke von ihm mit Tempera, Kohle, Graphit oder anderen Mal- und Zeichenmitteln überarbeitet. Träger seiner Bildinformationen sind Raster und Zahlen. Diese eher rationalen Ausgangsbedingungen seiner Arbeiten werden durch das weitere emotionale Überarbeiten künstlerisch umgeformt.

Tableau_zeigt_Zahlenfolge_kombiniert_zum_umgedeuteter_Tannenbaum Zahl Raster unkonventionell Ebene Zeichen Wandelbarkeit Modul Reihung Standardisierung Komplexität Strukturalisierung Information Erscheinungsbild Raum Kombinatorik Umdeutung Transkript Zeichensystem Zeichenrepertoire Denkmuster Realität Konzeptkunst
2000_tableau_011; Tempera auf Holz; 182 x 97 cm

Raster und Zahlen prägen unsere heutige gesellschaftliche Ordnung. Diese beiden Komponenten werden von ihm künstlerisch bearbeitet als eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Der lebensbestimmende Realismus unseres Zahlensystems vom Ausweis bis zu unseren Konten und Geheimzahlen, der in ausgedruckter Form an sich eine indifferente, zugleich aber auch uns prägende Größe darstellt, wird durch seine Überarbeitungen mit individuellen Chiffren verändert und damit neu bewertet.

Handzeichnung_zeigt_übermalte_Zahlenfolgen Raster mehrdeutig Umdeutung Segmentierung Normierung Standardisierung Typisierung Variabilität Chiffre Code Phantasie Modifikation Kombinatorik Assoziationsfeld Semantik Individualität Zeichensystem Struktur Kombinatorik Realität Realitätscharakter Massengesellschaft Informationsgesellschaft Konzeptkunst
2003_papier_021; Farbe und Laserprint auf Papier und Karton; 100 x 70 cm

Diese Veränderungen, ob bei Zahlen oder Streifenrastern, lassen den Betrachter über dieses Phänomen reflektieren. Im Spannungsfeld von schematisierter Reihung und persönlicher Bewertung sowie Akzentuierung durch sein Eingreifen werden Arbeiten geschaffen, die den individuellen künstlerischen Ansatz über die beliebige mechanische Folge setzt. Diese Herausarbeitung des künstlerischen Akzents in unserer heutigen Massengesellschaft ist ein Anliegen von Reinhard Hanke.

Acrylglasobjekt_zeigt_normierte_Silhouette_von_Menschen_mit_überlagerten_Zahlenfolgen Zahl Raster Transparenz Kombinatorik Komplexität Assoziation Standardisierung Modifikation Typisierung Modul Variabilität Transkription Transformation Metamorphose Wahrnehmung Individualität Raumproblem Realität Realitätscharakter Massengesellschaft Konzeptkunst
2016_objekt_02; Vektorgrafik mit Plotter auf Folie vor Acrylglas, Schatten; var. x var. x var. cm

Seine Werke haben keine Titel. Sie sind oft auf Karton aufgebracht und werden durch rechteckiges oder kreisrundes Acrylglas überlagert. Die Computerdrucke sind durch eine sparsam verwandte Farbigkeit von Schwarz und Rot gekennzeichnet. Die Reduktion auf zeichenhafte Elemente sind ein weiteres Merkmal seiner Bilder und Objekte.

Acrylglasobjekt_zeigt_Lichtspiele_aus_normierten_Modulen_auf_variablen_Ebenen Zahl Raster Abstraktion Transparenz komplex Überlagerung Transformation Kombinatorik Variation Typisierung Stereotyp Normierung Variabilität Imagination Transformation Modifikation Assoziationsfeld Individualität Raum Massengesellschaft Informationsgesellschaft Abstraktion Transparenz komplex Überlagerung Transformation Kombinatorik Variation Typisierung Stereotyp Normierung Variabilität Imagination Transformation Modifikation Assoziationsfeld Individualität Raum Massengesellschaft Informationsgesellschaft
2010_objekt_001; Monotypie auf Acrylglas, Schatten; variabel x variabel x variabel cm
Acrylglasobjekt_zeigt_Lichtspiele_aus_normierten_Modulen_auf_variablen_Ebenen Zahl Raster Lichtreflex Widerschein komplex mehrschichtig Relation Partikel Variation Typisierung Stereotyp Standardisierung Normierung Variabilität Zeichen Umformung Imagination Zeichensystem Relation Raumprinzip Realität Konzeptkunst
2010_objekt_001; Monotypie auf Acrylglas, Schatten; variabel x variabel x variabel cm

Gerade die in ihrer Strenge aufgebauten Arbeiten bringen je nach Standort verschiedene Deutungen. Dies ist allein schon durch das Licht- Schattenspiel bei den räumlichen Reliefwerken gegeben. Dadurch wird deutlich, dass von ein und demselben Objekt unterschiedliche Wahrnehmungen ausgehen können. Damit wird die Eindeutigkeit von Objekten in Frage gestellt beziehungsweise nachgewiesen, dass es verschiedene, sich nicht widersprechende Aussagen von Wahrheit an einem Objekt geben kann. Dies kann der Betrachter bei einer Reihe von Arbeiten Reinhard Hankes nachvollziehen.

Alexander von Knorre, 2004